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„Vom ‚hobo’ zur MassenarbeiterIn: Visualisierungen prekärer Arbeit in der Progressive Era“

In meinem Dissertationsprojekt „Vom ‚hobo’ zur MassenarbeiterIn: Visualisierungen prekärer Arbeit in der Progressive Era“ (Arbeitstitel) untersuche ich das Verhältnis zwischen einem sich in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollziehenden Wandel von Arbeitsrealitäten und Praktiken der visuellen Repräsentation von Lohnarbeit, insbesondere anhand (fototgrafischer, filmischer, u.a.) Bilder der so genannten „Wander-, Saison-, und Gelegenheitsarbeit“.

Mit dem fordistischen Kapitalismus entstand eine in Bezug auf Zusammensetzung, Größe und Mobilität neue Klasse ungelernter, lohnabhängiger Besitzloser. Der immens steigende und ebenso von starker Fluktuation gekennzeichnete Bedarf an ungelernten Arbeitskräften in der industriellen Fertigung, aber auch der Landwirtschaft, dem Rohstoffabbau und dem Dienstleistungssektor, „ermöglichte“ es einer steigenden Anzahl - unterschiedlich in Form und Ausmaß - marginalisierter, nicht-weißer, nicht-männlicher oder ungelernter ArbeiterInnen, wie EinwanderInnen aus Süd- und Osteuropa, Frauen oder African Americans, unter prekären Bedingungen für Löhne zu arbeiten.

Diese Entwicklungen wurden zeitgenössisch nicht nur breit diskutiert, sondern auch in hohem Maße visualisiert. War beispielsweise Saisonarbeit von SozialreformerInnen, SoziologInnen oder InvestigativjournalistInnen bis um die Jahrhundertwende häufig in Form von erzählerischen oder fotografischen Portraits von ‚tramps’ oder ‚hoboes’ verhandelt worden, so wurde sie in den 1910er Jahren nun auch im Kino und vermehrt als strukturelles Phänomen und Kennzeichen einer neuen Produktions- und Gesellschaftsordnung sichtbar gemacht, nicht zuletzt durch die Popularisierung sozialistischer Ideen in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Ich verstehe Bilder dieser neuen und prekären Arbeitsbedingungen als aktiv an den mit dem Übergang zum Fordismus verbundenen Transformationen von Mobilitäten und Organisationsformen von Körpern/Arbeitskraft in Raum und Zeit beteiligt. Insbesondere frage ich danach, inwiefern sich im Verhältnis mit dem Vormarsch bewegter Bilder und des Kinos nicht-filmische, das heißt (sozial)wissenschaftliche, literarische und politische Techniken des Blickens und zu-Sehen-Gebens sowie hiermit die verfügbaren Bilder und Vorstellungen von Lohnarbeit, Gesellschaft und Solidarität veränderten.